«Lohnt sich eine Solaranlage in der Schweiz, wenn im Winter so wenig Sonne scheint?» Diese Frage hören wir häufig. Die Antwort ist ein klares Ja – aber es ist wichtig, realistische Erwartungen an die Winterproduktion zu haben. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen die tatsächlichen monatlichen Erträge und geben Tipps für maximale Winterproduktion.
Monatliche Solarerträge im Jahresverlauf
Eine typische 10-kWp-Solaranlage im Schweizer Mittelland produziert ca. 10'000 kWh pro Jahr. Die Verteilung über die Monate ist jedoch sehr ungleich:
- Januar: ca. 350 kWh (3.5% des Jahresertrags)
- Februar: ca. 520 kWh (5.2%)
- März: ca. 850 kWh (8.5%)
- April: ca. 1'100 kWh (11%)
- Mai: ca. 1'300 kWh (13%)
- Juni: ca. 1'350 kWh (13.5%)
- Juli: ca. 1'400 kWh (14%)
- August: ca. 1'200 kWh (12%)
- September: ca. 900 kWh (9%)
- Oktober: ca. 550 kWh (5.5%)
- November: ca. 280 kWh (2.8%)
- Dezember: ca. 200 kWh (2%)
Im Winter (November bis Februar) produziert eine Anlage also nur rund 13-14% des Jahresertrags. Das ist wenig, aber keineswegs vernachlässigbar: Selbst im Dezember werden noch ca. 200 kWh produziert – das entspricht dem Verbrauch eines sparsamen Haushalts für eine Woche.
Warum ist der Winterertrag so niedrig?
Drei Faktoren beeinflussen den Winterertrag:
- Kürzere Tage: Im Dezember scheint die Sonne nur 8-9 Stunden (vs. 15-16 im Juni). Die effektive Produktionszeit beträgt nur 4-6 Stunden.
- Tieferer Sonnenstand: Die Sonne steht im Winter viel tiefer am Himmel. Dadurch trifft das Licht in einem flacheren Winkel auf die Module, was die Effizienz reduziert.
- Nebel und Hochnebel: Besonders im Schweizer Mittelland reduziert Hochnebel die Sonneneinstrahlung im Winter erheblich. Standorte über 800 m ü. M. sind hier im Vorteil.
Standortunterschiede in der Schweiz
Der Winterertrag variiert je nach Standort erheblich:
- Mittelland (Zürich, Bern, Aarau): Häufig Hochnebel im Winter. Winterertrag ca. 12-14% des Jahresertrags.
- Voralpen und Alpen (ab 800 m): Über der Nebelgrenze deutlich mehr Sonne. Winterertrag ca. 16-20% des Jahresertrags.
- Südschweiz (Tessin, Wallis): Viel Sonne, auch im Winter. Winterertrag ca. 18-22% des Jahresertrags.
Interessant: Alpine Solaranlagen können im Winter pro kWp mehr produzieren als solche im Mittelland. Der Grund: mehr Sonnenstunden, Schneereflexion und kühlere Temperaturen, die die Moduleffizienz steigern (ca. +0.4% pro Grad Celsius unter 25°C).
Tipps für maximalen Winterertrag
1. Steilere Modulneigung
Eine steilere Aufstellung der Module (40-60° statt 25-30°) verbessert den Winterertrag, da der tiefe Sonnenstand besser eingefangen wird. Allerdings reduziert dies den Sommerertrag leicht. Für die Gesamtjahresproduktion ist ein Kompromiss von ca. 30-35° optimal.
2. Schnee entfernen
Schneebedeckte Module produzieren keinen Strom. Bei steileren Dächern (>30°) rutscht der Schnee von selbst ab. Bei flacheren Dächern kann eine sanfte Schneeräumung sinnvoll sein – verwenden Sie dafür jedoch nur spezielle Schneeräumer ohne harte Kanten, um die Module nicht zu beschädigen.
3. Module sauber halten
Schmutz und Laub auf den Modulen können den Ertrag um 3-5% reduzieren. Eine Reinigung vor dem Winter stellt sicher, dass jeder Sonnenstrahl optimal genutzt wird.
4. Ost-West-Aufstellung
Bei Flachdächern kann eine Ost-West-Aufstellung den Winterertrag verbessern, da die Module den ganzen Tag über Licht einfangen. Die Gesamtjahresproduktion ist nur ca. 5-10% geringer als bei reiner Südausrichtung, aber die Ertragsverteilung über den Tag ist gleichmässiger.
Winter-Solarstrom und Wärmepumpe
Im Winter ist der Strombedarf für die Heizung am höchsten, aber die Solarproduktion am niedrigsten. Trotzdem kann eine Solaranlage im Winter 20-40% des Wärmepumpenstroms decken – besonders an sonnigen Wintertagen. Ein Batteriespeicher hilft, die kurze Sonnenscheinperiode optimal zu nutzen.
Die Wirtschaftlichkeit im Gesamtbild
Der niedrige Winterertrag wird durch den hohen Sommerertrag mehr als kompensiert. Eine Solaranlage in der Schweiz produziert über das Jahr gesehen ca. 950-1'100 kWh pro kWp – ein hervorragender Wert im europäischen Vergleich. Die Rentabilität einer Solaranlage bemisst sich am Jahresertrag, nicht am Winterertrag.
Fazit: Ja, die Winterproduktion ist deutlich geringer als im Sommer. Aber selbst im Winter produziert Ihre Anlage Strom – und der ist besonders wertvoll, weil der Strompreis im Winter oft höher liegt. Die Gesamtwirtschaftlichkeit einer Solaranlage in der Schweiz bleibt hervorragend, mit einer Amortisation von 8-12 Jahren.
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